Mayday, mayday! Bin ich in meinem Job bald überflüssig?

2018-07-11T16:04:04+00:0030. Mai 2018|

Stelle ich diese Frage in meinen Vorträgen, kommt meist ein: „Na, noch ist es nicht so weit.“ Auf der anderen Seite vergeht kein Tag, an dem nicht in diversen Medien darüber berichtet wird, dass und wie schnell wir ersetzt werden. Wie passt das zusammen?
Verfallen wir, bezogen auf die Industrie 4.0 mit all ihren Begleiterscheinungen wie Disruption, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz den typisch deutschen Tugenden der Verdrängung und des Abwartens?
Wenn wir das tun, dann bricht es uns das Genick. Und zwar früher als wir denken. Industrie 4.0 kommt nicht, sie ist bereits da. Und mir ihr die Konsequenzen. Wir wissen nur nicht, wie wir damit umgehen.
Schauen wir uns die Fakten an:

Konzentration auf den USP bringt nicht mehr weiter

Produkte und Dienstleistungen werden immer austauschbarer und vor allem vergleichbarer. Der gute, alte USP hat ausgedient. Unternehmen, Verkäufer und Mitarbeiter, die sich nach wie vor über ihr Produkt oder Dienstleistung definieren, geben sich frei für den Abschuss.

Konzentration auf die fachliche Kompetenz reicht auch nicht mehr

Fachliche Kompetenz allein ist kein Erfolgskriterium mehr, denn: Watson & Co sind auch kompetent. Wahrscheinlich liefern sie das Wissen sogar schneller, fehlerfreier und günstiger als wir. Wenn wir uns auf unser Know-how verlassen, sind wir verlassen. Wir lassen uns damit auf einen Kampf ein, den wir nicht gewinnen können.

Konzentration auf Sicherheit ist waghalsig

Die Welt heute fordert Umdenken und neues Handeln. Und vor allem fordert sie Mut zum Risiko. Klassische Befehlsausführer, die nach Sicherheit und Planbarkeit streben, werden nicht mehr gebraucht. Wer nicht in der Lage ist, sich und/oder sein Team jeden Tag neu zu managen, sich zu motivieren und so selbstständig durch unsichere Zeiten zu steuern, wird gesteuert. Und zwar direkt aufs Abstellgleis.

Dazu ein schönes, oder vielleicht eher erschreckendes Beispiel aus den letzten Wochen. Lufthansa verkündete, dass mehrere tausend Stellen ersetzt werden sollen. Ja, Sie haben richtig gelesen, da steht nicht „gestrichen”, sondern „ersetzt”. „Attraktive” Angebote sollen bisherige Mitarbeiter motivieren zu gehen. Und warum? Weil ihnen die Veränderung schwer falle und viele keine Digitalkompetenz hätten. Früher wurden Stellen gestrichen, heute werden sie ersetzt. Gesucht werden übrigens keine Spezialisten oder Fachkräfte, ganz im Gegenteil. Gesucht werden branchenfremde mit Kenntnissen in Digitalisierung, Innovation und mit hoher Veränderungskompetenz. Wie deutlich brauchen wir es eigentlich noch, wenn wir wissen wollen, wo die Reise hingeht? Muss man es uns vortanzen?

Festhalten oder Loslassen

Wollen wir der Zukunft 4.0 erfolgreich begegnen, müssen wir umdenken. Wir müssen unseren Fokus umlegen – von der Umwelt auf uns. Vom Bedürfnis nach Sicherheit auf den Mut zu scheitern, vom Know-how und unserer Dienstleistung auf unsere Persönlichkeit und vom Abwarten und Totstellen auf Angriff.
Klar, können wir nicht von heute auf morgen alles ändern oder eine völlig neue Persönlichkeit werden, aber wir können zumindest damit anfangen. Anfangen, uns mit dem Auseinanderzusetzen, was da ist und kommt. Anfangen, uns mit uns selbst auseinander zusetzen und uns zu fragen, wie gut wir vorbereitet sind oder eben nicht. Anfangen, etwas zu verändern und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Und damit sind wir bei der größten Herausforderung. Wir müssen es tun. Und zwar jetzt, hier und heute. Ohne, das wir schon die Kündigung in der Hand haben, ohne, dass wir vom Markt verdrängt wurden. Also ohne Schmerz und Not. Und das fällt bekanntlich schwer. Wie oft handeln wir erst dann, wenn das Kind schon fast in den Brunnen gefallen ist? Mag das in der Vergangenheit vielleicht noch so halbwegs funktioniert haben, bricht es uns heute das Genick. Denn eines haben wir nicht bei der Schnelligkeit, mit der sich die Dinge weiter verändern, und das ist Zeit.
Also warten Sie nicht, bis Sie handeln müssen, handeln Sie, weil Sie es wollen.

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